[Intro]
[A dry drum-machine pulse starts immediately; a heating pipe answers every fourth beat.]
[Duet]
Die Häuser ohne Licht.
Zwei Stimmen in der Leitung.

[Verse 1]
[Female Vocal]
Im Haus gegenüber ist Wohnung drei leer,
seit Klaus zu der Tochter nach Dresden fuhr.
Im zweiten Stock brennt kein Küchenlicht mehr.
Nur Werbung liegt nass vor der Tür.
Der Bus fährt jetzt dreimal statt sieben am Tag.
Die Apotheke schließt schon um zwei.
Ich höre den Kühlschrank, die Rohre, den Schlag
der Heizung. Sonst ist keiner dabei.

[Verse 2]
[Female Vocal]
Milans Helm steht auf dem Brett im Flur,
darunter die Schuhe, die keiner mehr trägt.
Der Staub auf der Krempe wird heller, doch nur,
weil keine Hand ihn vom Platz bewegt.
Ich wähle deine Nummer und lege gleich auf.
Dann sprech ich vier Wörter, zu ruhig, zu klein:
Mir geht es gut. Mach dir keine Gedanken.
Die Leitung knackt. Ich bin wieder allein.

[Chorus]
[Duet]
Die Häuser ohne Licht, jedes Fenster zählt die Zeit.
Jeder Flur wird eine Strecke, jede Stimme viel zu weit.
Die Häuser ohne Licht tragen Schlüssel ohne Tür.
Du lebst zwischen tausend Menschen. Ich sitz immer noch hier.

[Verse 3]
[Male Vocal]
Mein Zimmer in Berlin hat fünf Meter Wand,
ein Hof ohne Baum, mein Fahrrad im Flur.
Die Nachbarn wechseln schneller als früher das Band.
Keiner kennt den Mann nebenan.
Tags zeichne ich Speicher und Netze am Schirm,
Strom ohne Rauch, Leitungen durchs Land.
Nachts zählt die Straßenbahn unter dem Fenster
den alten Schichttakt durch Hof und Gang.

[Verse 4]
[Male Vocal]
Ich hör deine Nachricht, in der nichts geschieht:
Mir geht es gut. Dann wird abgehackt.
Vier Wörter, so glatt, dass man alles durchsieht.
Ich ruf noch einmal. Diesmal gehst du ran.

[Female Vocal]
Ruf nicht nur sonntags an.

[Male Vocal]
Sag nicht nur: Alles geht.

[Duet]
Wir reden, bis keine Pause zwischen uns steht.

[Chorus]
[Duet]
Die Häuser ohne Licht, jedes Fenster zählt die Zeit.
Jeder Flur wird eine Strecke, jede Stimme viel zu weit.
Die Häuser ohne Licht tragen Schlüssel ohne Tür.
Du lebst zwischen tausend Menschen. Ich sitz immer noch hier.

[Bridge]
[Female Vocal]
Ich könnte das Haus verkaufen.

[Male Vocal]
Ich könnte öfter bei dir sein.

[Duet]
Wir sagen „könnte“, meinen „vielleicht“,
bis jeder Satz einem Abschied gleicht.

[Final Chorus]
[Duet]
Die Häuser ohne Licht, jedes Fenster zählt die Zeit.
Jeder Flur wird eine Strecke, doch die Leitung reicht so weit.
Die Häuser ohne Licht tragen Schlüssel ohne Tür.
Du lebst zwischen tausend Menschen. Heute hör ich dich hier.

[Post-Chorus]
[Male Vocal]
Ich komme Samstag.

[Female Vocal]
Gut. Um vier.

[Duet]
Kein großer Plan. Nur diese Tür.

[Outro]
[The pulse stops; a real key turns twice in a lock.]
[Duet]
Die Häuser ohne Licht.
Samstag, vier.
